Gemeinsam noch stärker

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Am 11. Juni fand in Brüssel ein Treffen von Vertretern von vier Organisationen statt, die die Interessen von Zirkus und Kirmes vertreten. Es handelte sich dabei um eine Initiative des „Council of Christian Organisations for the Pastoral care of Circus and Carnival workers“. Die European Circus Association (ECA) führte diese Veranstaltung durch, mit dem Ziel, eine gemeinsame Vorgehensweise zu erarbeiten und die Europa-Parlamentarier über die Entwicklungen in der Branche zu informieren. Folgende Organisationen waren vertreten: das „European Network for Traveller Education“ (ENTE), die „European Showmen’s Union“ (ESU), der „Council of Christian Organisations for the Pastoral care of Circus and Carnival workers“ und natürlich die ECA. Grundlage der Gespräche war das Antwortschreiben der Europäischen Kommission an das Europäische Parlament, in dem sie mitgeteilt hat, wie sie auf die Fragen und Anweisungen reagieren würde, die sie nach der am 13. Oktober 2005 angenommenen Resolution über „New Challenges for the circus as part of European culture“ erhalten hat („Neue Herausforderungen an den Zirkus als Teil der europäischen Kultur“, Bericht von MEP Doris Pack). Inzwischen sind zweieinhalb Jahre vergangen, und es ist an der Zeit für eine Analyse, die den MEPs Doris Pack und Maria Oomen-Ruijten vorgelegt wurde.

Zirkus als Kultur

Noch längst nicht alle EU-Länder erkennen Zirkus als Kultur an. Die ECA hat eine Übersicht über die verschiedenen Arten erarbeitet, wie EU-Länder Zirkusse als Kultur anerkennen. Sie kann jenen Ländern geschickt werden, die Zirkus noch nicht als Kultur ansehen. Auch die Schaustellerbranche möchte europaweit kulturell anerkannt werden.

Technische Vorschriften
Die Vorschriften auf verschiedenen technischen Gebieten sind ein weiteres Sorgenkind. Zwar sind die neuen EU-Normen für Zelte mittlerweile erschienen, aber wir sehen nun, dass Länder bei deren Einführung zusätzliche hohe Anforderungen stellen. Dadurch ist man von einheitlicher Gesetzgebung und Förderung des freien Verkehrs von Gütern und Dienstleistungen noch weit entfernt. Eine zusätzliche Bedrohung der Branche sind die strengen Umweltvorschriften, die Zirkus- und Schaustellerfahrzeuge aus den Zentren der Großstädte verbannen bzw. die ein Befahren nur nach Zahlung hoher Gebühren zulassen. Außerdem sind Schausteller- und Zirkustransporte noch längst nicht in allen europäischen Ländern von der Europäischen Transportregelung befreit worden, obwohl die Vorschriften diese Möglichkeit durchaus zulassen.

Schulausbildung für Zirkuskinder

Auf dem Gebiet des Unterrichts sehen die Dinge etwas erfreulicher aus. Die unlängst erschienene Untersuchung „The school education of children of occupational travellers in the European Union“ („Die Schulausbildung von Kindern beruflich Reisender in der Europäischen Union“) enthält gute Empfehlungen. Ein unterstützendes Netzwerk wie ENTE wird für wichtig gehalten. Doch es wird auch festgestellt, dass hierfür finanzielle Mittel erforderlich sind. Gute Erfahrungen aus der Praxis (wie die „Rijdende School“ in den Niederlanden und die Schule für Circuskinder in Nordrhein-Westfalen) müssen jenen Ländern übermittelt werden, die noch über keine derartige Erfahrung verfügen. Somit handelt es sich um einen guten Bericht, doch wer sorgt für die Finanzierung der zukünftigen Aktivitäten?

Zirkusschulen

Das durch die EU mitfinanzierte EPE-Projekt führte zu dem hervorragenden „Basic Circus Arts Instruction Manual“ („Handbuch über Ausbildungsgrundlagen für Zirkuskunst“). Zur Zeit wird in dem ebenfalls von der EU subventionierten „Miroir“-Projekt an einer besseren Angleichung der Zirkusausbildung an die Anforderungen der Berufspraxis gearbeitet.
Die Problematik von Visa und Arbeitsgenehmigungen für Arbeiter und Artisten aus Nicht-EU-Ländern ist noch immer sehr groß.

Tiere im Circus

Der „Council of Christian Organisations for the Pastoral care of Circus and Carnival workers“ hat seine Sorge für jene Menschen ausgedrückt, die mit Tieren im Zirkus arbeiten. Durch den anhaltenden Druck von Tierrechtlern fühlen sie sich bedroht. Sie werden als Tierquäler gebrandmarkt und nicht als Träger einer alten Kultur angesehen. Die ECA berichtete, dass sie Modellrichtlinien für Haltung, Transport und Dressur von Tieren im Zirkus erarbeitet hat, speziell für Länder, die noch keine eigene Gesetzgebung auf diesem Gebiet kennen. In Irland wird mit diesem Modell bereits gearbeitet.

Die Europa-Parlamentarier sind sehr erfreut darüber, dass die Kräfte gebündelt werden und dass sie so gut informiert wurden. Sie werden sich weiter für den Erhalt der Zirkus- und Kirmeskultur in Europa einsetzen.

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